Augen-Blick - der Video City Stadtparcours 2022

Videocity St. Pölten bringt Videokunst mitten in den Alltag von vielen. Dabei werden kurze Videos von österreichischen und internationalen KünstlerInnen zum Thema „Augen-Blick“ gezeigt.

Das diesjährige Thema „Augen-Blick“ erhält angesichts des Krieges eine brisante Dimension: Beobachten und beobachtet werden sind Situationen, die nun alle in außergewöhnlichem Maße betreffen und die sich seit Ende Februar auf das Bedrohliche zugespitzt haben. Die vor dem Krieg entstandenen Videos von ukrainischen KünstlerInnen erweisen sich nun als Vorhersage des Krieges bzw. zeugen von einem Leben in Angst und Gefährdung. Die Blick-Regime, welche die anderen Teilnehmenden eröffnen, kreisen um überwachen, fokussieren, erinnern bzw. aus heiterem Himmel Unerwartetes hereinbrechend. Die österreichischen Künstlerinnen beziehen sich auf die Visualisierung von Subjektkonstruktionen.

Wesentlich erscheint in den Videos die Konfiguration des Blicks und die respektive Definition des Auges aus künstlerischer Sicht.

Videocity St. Pölten bringt Videokunst mitten in den Alltag von vielen. Dabei werden kurze Videos von österreichischen und internationalen KünstlerInnen zum Thema „Augen-Blick“ gezeigt. 29 Videos von 26 FilmemacherInnen werden auf Monitoren in Schaufenstern bzw. im Innenraum von Institutionen der St. Pöltner Innenstadt sowie in der FH St. Pölten präsentiert. Im Stadtmuseum sind Kurzfilme von den Künstlerinnen Ximena Fargas Albarran, Anna Artakter und Margarit Lehmann zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen.
KuratorInnen: Andrea Domesle, Walter Seidl und Videocity-Team

Im Stadtmuseum sind Kurzfilme von den Künstlerinnen Ximena Fargas Albarran, Anna Artakter und 

Margarit Lehmann zu sehen.

 


Ximena Fargas Albarran

„Cuerpos Móviles- En Capas“ (Mobile Körper in Schichten), 2020

5:01 Min., mit Ton

Das Video zeigt ein Mosaik aus Bildschirmen. Helle sowie dunkle Quadrate, die darauf warten, etwas wiederzugeben. Die Bildschirme berühren sich gegenseitig und zeigen Videoausschnitte von segmentierten Körpern und Gesten, die auf der aus Mobiltelefonen bestehenden Oberfläche verteilt sind. Augen schauen, Münder bewegen sich, Füße und andere Körperteile. Es werden nur Fragmente gezeigt, die durch die Geste der Berührung aktiviert werden, so als ob sie die fragmentierte Natur unserer Realität widerspiegeln. 

Xavier Kat

Anna Artakter

„48 Köpfe aus dem Merkurov Museum (nach Kurt Kren)“, 2008

4:19 Min., mit Ton

Wirklichkeiten variieren – so ließe sich eine wesentliche Vorgehensweise von Anna Artaker umschreiben, bei der es ihr oftmals um eine Relativierung von historiografischen Konstellationen geht. In einer intensiven Beschäftigung mit Totenmasken, die der sowjetische Bildhauer Sergej Merkurov (1881–1952), ein Schüler von Auguste Rodin, angefertigt hat, übersetzt Artaker diese in verschiedene mediale Ausformungen. Die Masken stammen aus dem Merkurov-Museum im armenischen Gyumri und bilden ein außergewöhnliches »Archiv der Gesichter«, zumal die (vorwiegend männlichen) Vertreter aus Kultur und Politik sowohl für progressive als auch totalitäre Tendenzen des Sowjetregimes stehen.                   

Naoko Kaltschmidt

Margarit Lehmann

„EYE YOU“, 2019

2:04 Min., ohne Ton 

Ein Blick, Jahrhunderte alt, erreicht uns zeitlos im Jetzt. Das Gemälde „Porträt einer Frau“ von Rembrandt aus dem Jahr 1639 zeigt vermutlich die junge Maria Trip*. Sie schaut seit fast 400 Jahren entspannt aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Im Auge der Beobachterin sind wir, die wir sie betrachten, ihr ausgeliefert. Doch so unberührt von der Zeit sie scheint, entkommt sie dieser nicht. Ihr linkes Auge ist digital manipuliert. Es blinzelt. Es fesselt unsere Aufmerksamkeit. Und plötzlich ist nicht mehr eindeutig, wer hier beobachtet und wer hier Beobachter*in und wer Beobachtete*r ist.

 * Public Domain Rijksmuseum in Amsterdam

Margarit Lehmann

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